Rückberufung - Virgil Diaconu

Aus dem hängenden Garten seines Reichtums
schenkte mir diese fleischfressende Blume:
Geliebter, ich fand eine andere Seele. Ich ziehe um.
Und sie begann ihre Sachen zusammenzupacken
verstreut in mir:
die Kälte der Hände und die Flamme der ersten Nacht.
Und die furchtsame Berührung des Mundes.

Ja, es begann sich in mir zusammenzuscharren,
Wimper für Wimper und Zelle für Zelle,
damit ich es ein für alle Mal verstehe,
dass sie ein anderes Wesen sei; ein Lebewesen,
dass jenseits meines Körpers, meiner Gedanken existiert.
Ja, sie versuchte, alle fleischfressenden Küsse
zurückzunehmen damit ich verstehe, dass zwischen uns
die Klinge des Schicksals jederzeit ziehen kann, so wie
das Messer durch das Fruchtfleisch des Apfels geht.

Nimm die Hand und die Berührung des Mundes zurück!
Nimm auch den Herzschlag, wenn kannst. Sie sind deine.
Den Herzschlag, den ich kaum im Zaum halten kann,
wenn deine Schenkel zwischen den Laken sich winden.
Nimm den Herzschlag, der mich immer
verraten hat wohin ich ging.
Nimm auch deine fleischfressenden Schenkel mit.

Nimm die Veilchen der ersten Berührung, ist deine!
Hast sie vergessen, als in meine Arme gesprungen bist;
als aus dem Sarkophag der guten Manieren heraus-kamst
und bist mitten der Menge in meine Arme gesprungen.

Nimm die Veilchen der ersten Berührung, ist deine!
Ich versuche es aus mir herauszureißen. Aus meinen
Zellen und Vorstellungen, aus meinen Kirchen.
Ich versuche es aus herauszuholen, genau wie der Herr
versuchte er es noch mehr am sechsten Tag.
ich versuche es ein Pfeil aus mir herauszureißen
mit Zellen mit allem, mit Nerven mit allem.

Vielleicht die Schicksalsklinge wird zwischen uns ziehen,
vielleicht aber auch nicht.

Added by: Ioana D

Translator: CHRISTIAN W. SCHENK
Language: German


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