Nachts - Mihai Eminescu

Eingesunken brennt und bläulich nachts das Feuer im Kamin;
In der Ecke meines roten Sofas sitzend schau’ ich hin,
Bis ich, mit den Augen blinzelnd, schlaff in Schlaf verfallen bin;
Längst erlosch das Licht im Hause - wollt’ ich auch, ich kann nicht fliehn.

Da erscheinst du, Liebste, lächelnd fernher aus des Dunkels Reichen,
Hell wie Winterschnee und lieblich wie der Sommertag, der warme;
Setzt dich auf den Schoß mir, windest um den Nacken mir die Arme
Und durchspähst mit deiner Liebe meine Wangen mir, die bleichen.

Wie die Arme weiß und weich sind, schön sich runden, Duft verbreiten,
Die mich so gefesselt halten, und, den Kopf an meiner Brust,
Streichst du mit zwei weißen lieben Händen, kaum des Tuns bewusst,
Wirre Strähnen aus der Stirn mir, der von Traurigkeit befreiten.

Ja, sie ist befreit, du glättest letzte Sorgen, träge säumend
Und dann drückst du, listig Liebe, wähnend, dass ich schlafen müsse,
Mir auf Stirn und festgeschlossne Augen heiße Feuerküsse,
Lächelnd, wie die Träume lächeln, in verliebten Herzen träumend.

Schmeichl’ und kose, denn noch hab’ ich in der Stirne keine Falten,
Schmeichl’ und kose, denn noch bist du jung wie erstes Morgenglühen,
Lauter wie ein Tropfen Taues, lieblich wie des Frühlings Blühen,
Einst ist meine Stirn gerunzelt, einst wird auch mein Herz veralten.

Added by: Adina Speranta

Translator: Christian W. Schenk
Language: German


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