Die Frühe - Demostene Botez

I

Von der Sonne
Wie auf dem Mund einer zu vollen Amphore,
Gestürzt
Von der zarten Schulter einer Jungfrau,
Die Frühe
Spendet reichlich Licht
Überall im Tal.

Und die Natur in Eile aufgeweckt,
Scheint als hätte hängende Lider
In dem Licht, dass plötzlich kam,
Über den ruhenden Hügeln.

Unten im Tal
Ein dünner Schleier zieht sich zusammen
Aus einem Staub, der in der Nacht grau wurde,
Von all dem Mondlichtstaub
Was auf den reifen Weizen unterfiel.

Wolken aus durchsichtigem Nebel
Über dem, weiß, der Klare Himmel siebt:
Es scheint wie weiße Kissen
Auf einem Bett zu spät aufgeräumt.

Über das noch schlafende Dorf
Und über dem Tal des Schilfteichs,

Ruhiger Morgenrauch
Es sitzt sich hin ganz federweich.

Und durch den Glitzer rosa Schleier
Kann man nicht sehn den Tagesbeginn;
Sehnsucht ist etwas Undefiniertes,
Es ist der Wasserfall des Nebels.

II

Und der Morgen
Immer noch kniend
Mit seiner weißen Stirn am Horizont,
Wie auf den Auslauf einer Amphore,
von der Sonne
Gießt reichlich Licht,
Bündel für Bündel.

Und der Morgen
Erhellt sein Antlitz mit der Kühle,
Mit ihrem offenen Gold ‘nen Haar,
Hebt ihre volle Amphore
Höher und höher, -
Und jetzt steht auf
Zu dem Tagesanbruch
Gießt immer von der Sonne
bis sie stirbt
Mit dem Blick auf den Abendrot.

Added by: Ioana D

Translator: CHRISTIAN W. SCHENK
Language: German


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